Bundestagswahl 2013: wie gut waren die Umfragen wirklich

Die Bundestagswahl ist gelaufen, und das Umfrageinstitut Forsa kann sich auf die Schulter klopfen (tagesspiegel), denn es hat den “ersten Preis gemacht”, die genaueste Umfrage vor der Wahl veröffentlicht. Und das trotz der Vorwürfe, Forsa würde “für die SPD schwarz sehen” (Stefan Niggemeier), oder die AfD herunterrechnen (Bernd Lucke). Zumindest der letztere Vorwurf erwies sich ja auch tatsächlich als falsch, aber war Forsa tatsächlich so gut wie alle behaupten?

229Wie in der Grafik ersichtlich ist, hat Forsa tatsächlich die beste Umfrage vor der Wahl veröffentlicht. Nur 4 Abweichungspunkte ergeben sich aus den Umfragen für Union, SPD, Grüne, FDP und Linkspartei. Um alle Umfragen der letzten Wochen vergleichen zu können, habe ich Piraten und AfD in meiner Betrachtung nicht berücksichtigt, da für diese beiden nicht immer Zahlen veröffentlicht wurden. Der Fairness halber sei hier nur gesagt, dass Forsa auch diese beiden gut vorhersagte, während das für die ARD ermittelnde Institut Infratest dimap auch hier schwach abschnitt. Dieser Punkt geht ganz klar an Forsa, auch wenn die letzten Umfragen allesamt recht gut waren. Das von vielen AfD-Anhängern bevorzugte Tool “Wahl-O-Meter” (begrenzt-lustig berichtete), nicht zu verwechseln mit dem wesentlich seriöseren “Wahl-O-Maten” der Bundeszentrale für Politische Bildung, errechnete mit seinen “Twitter-Daten” übrigens das mit großem Abstand schlechteste Ergebnis.

Doch gehen wir einmal vier Wochen zurück.

228Die Vorwürfe gegen Forsa beziehen sich ja nicht auf die jüngere Entwicklung, sondern vielmehr darauf dass Forsa über die letzten Jahre hinweg Zahlen veröffentlicht, die sich mit denen der anderen Institute oft nicht decken, und die nicht selten besonders Schlagzeilenträchtig sind (Grüne stärker als SPD, FDP fast so stark wie SPD, und so weiter). Wie Sie der Grafik entnehmen können, schneidet Forsa wesentlich schlechter ab, wenn man nicht die letzte Umfrage vor der Bundestagswahl, sondern die letzte vor dem 22.8.2013 berücksichtigt. Natürlich ist diese Methode nicht unbedingt fair, immerhin gab es in den letzten Wochen ganz offensichtlich tatsächlich Wählerwanderungen, beispielsweise hin zu AfD. Aber es ist trotzdem interessant dass Infratest dimap (ARD) und Forschungsgruppe Wahlen (ZDF) hier wesentlich besser abschneiden als Forsa, ja die Umfragen sogar ähnlich gut wie die letzten vor der Wahl sind.

227Betrachtet man die letzten Umfragen zwei Monate vor der Wahl, als vor dem 22.7., so erhärtet sich dieses Bild. Auch hier schneidet Forsa am schlechtesten ab, verglichen mit den Umfragen von ARD und ZDF, auch wenn hier natürlich alle Institute größere Abweichungen haben. Bei den älteren Umfragen vor dem 22.8. bzw. 22.7. fällt zudem auf, dass Allensbach nicht sehr gut abschneidet. Das Insitut “INSA”, das nicht mit Telefonumfragen arbeitet, sondern mit sogenannten Online-Panels, schnitt in sämtlichen Betrachtungen am schlechtesten ab, und hatte von den seriösen Instituten auch die schlechteste letzte Umfrage vor der Wahl.

Ergebnis

Woran liegt es nun, dass Forsa die Bundestagswahl so gut vorhersagte, bei den früheren Umfragen aber so schlecht abschnitt? Eine Antwort sind sicherlich die traditionell geringen Zahlen für die SPD, die Forsa erst in den letzten Wochen vor der Wahl auf 26% erhöhte – vorher stand sie monatelang bei 22% festgenagelt, hinzu kommt analog eine Überbewertung der Grünen. Zur Wahrheit gehört jedoch auch, dass Infratest dimap (ARD) im gleichen Zeitraum die SPD mit teilweise bis zu 30% stark überbewertete. Die Forsa-Zahlen waren schlecht, aber sie waren nicht so schlecht wie von einigen vermutet.

tl;dr

Forsas Methodik ist nicht schlecht, sondern sogar so gut dass Forsa zu Recht die Krone der besten Vorhersage der Bundestagswahl gebührt. Wenn sie ihre Methodik jetzt noch so anpassen, dass die Zahlen das ganze Jahr über realistisch sind, und dafür auf kurzzeitige Effekte und Schlagzeilen verzichten, könnte da fast ein seriöses Institut draus werden.

Als Quelle wurden die Daten von wahlrecht.de verwendet. Sollte sich beim Erstellen der Abweichungswerte hier und da der Fehlerteufel eingeschlichen haben, bitte ich um einen entsprechenden Hinweis.

2 thoughts on “Bundestagswahl 2013: wie gut waren die Umfragen wirklich

  1. Die Sonntagsfrage geht nicht umsonst von dem Szenario aus, was wäre, wenn am jeweils nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre.
    Der Vergleich der letzten Umfrage vor der Wahl (wenn meist am nächsten Sonntag wirklich gewählt wird) ist noch am wenigsten problematisch, obwohl es ja noch kurzfristige Wahlentscheidungen (siehe Angaben in den Exit Polls) nach dem Erhebungszeitraum gibt.
    Bei früheren Umfragen, gibt es nicht nur verfälschende Kurzfristeffekte, es fehlen auch die Kurzfristeffekte, die letztlich in der letzten Woche beeinflussen.
    Und die waren bei den lagerinternen Wanderungen im Juli noch gar nicht messbar: Rainer Brüderle war als Spitzenkandidat in der Öffentlichkeit krankheitsbedingt nicht wahrnehmbar, Trittin’s V.i.S.d.P.-Affäre fehlte ebenso.
    Die Entscheidung des ZDF, eine weitere FGW-Umfrage zu veröffentlichen, hat naturgemäß zu einer besseren Abbildung geführt.

    • Alles richtig was Sie sagen, ich weise ja auch selbst darauf hin dass die Methode, ältere Umfragen mit dem Wahlergebnis zu vergleichen, nicht ganz fair ist. Interessant fand ich es trotzdem.

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